Impfstrategie neu – Impfen: Wie geht es weiter in Klosterneuburg?

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Impfstrategie neu – Impfen: Wie geht es weiter in Klosterneuburg?

Der Impfstart in Klosterneuburg am 20. März ist missglückt. Hunderte alte und gebrechliche Impfwillige standen bis zu drei Stunden in eisiger Kälte vor dem Eingang der Babenbergerhalle. Das Impfwochenende wurde kurzfristig auf den Samstag reduziert. Ein Chaos war die Folge. Nun soll alles anders werden. Mit 20 Impfhotspots, verteilt in ganz Niederösterreich – für jeden Bezirk einer – werden die Gemeinden von der Impfaufgabe entbunden. Auch in der Babenbergerhalle wird nur noch ein Mal geimpft, nämlich die Folgeimpfung am 17. April für die Personen, die am 20. März die erste Impfung erhalten haben. Dann ist Schluss. Auch für die niedergelassenen Ärzte, die sich der Impfung widmen, gibt es eine Änderung, die nicht mit Wohlwollen akzeptiert wird: Sie dürfen nur mehr den Impfstoff von Johnson & Johnson verimpfen.

„Wir rechnen damit, dass ab April/Mai die Impfmengen in die Höhe gehen“, prognostiziert Pressesprecher Stefan Spielbichler von der „Notruf NÖ GmbH“, der Stelle, die das Impfgeschehen in ganz Niederösterreich koordiniert. Stehen aktuell 30.000 bis 40.000 Dosen Impfstoff pro Woche zur Verfügung, werden im April/Mai 100.000 pro Woche erwartet. „Das wird zur logistischen Herausforderung, und es ist einfacher, die Versorgung in den Hotspots sicher zu stellen“, begründet Spielbichler die Einrichtung der 20 Impfhotspots in Niederösterreich.

Weiters könne man in den professionell aufgezogenen Hotspots einen Sieben-Tage-Betrieb aufrecht erhalten, was eine Beschleunigung des Durchimpfens bedeute. Auch das Intervall zwischen den beiden Impfungen wird von sechs auf zwölf Wochen ausgedehnt. Damit bekäme man eine höhere Zahl an Erstgeimpften. Diese Maßnahme soll das Infektionsgeschehen positiv beeinflussen.

„Johnson & Johnson ist der ideale Impfstoff für die Ärzteschaft.“ Stefan Spielbichler, Pressesprecher Notruf NÖ

Im Bezirk Tulln, dem ein Hotspot in der Messehalle eingerichtet wird, „ist eine Verimpfung von 6.000 bis 7.000 Personen pro Woche zu schaffen“, prognostiziert Spielbichler. Dass nun aber alle Klosterneuburger Impfwilligen nach Tulln zum Impfen fahren müssen, darin sieht Spielbichler kein großes Problem: „Wir sind jetzt bei den plus 65-Jährigen angekommen. Die haben schon eine wesentliche bessere Mobilität.“ Bei jedem Hotspot in ganz Niederösterreich könne man sich impfen lassen, wenn man sich vorher online anmelde.

Äußerst unzufrieden zeigen sich die niedergelassenen Ärzte über die Tatsache, dass sie in Zukunft nur mehr den Impfstoff Johnson & Johnson verimpfen dürfen. Das Hauptargument dagegen ist die geringe Verfügbarkeit des Impfstoffes. Sie wähnen ein Ende der Impfaktivität in in den Praxen. Spielbichler von „Notruf NÖ GmbH“: „Johnson & Johnson ist der ideale Impfstoff für die Ärzteschaft. Es reicht eine Impfung, der Impfstoff muss nicht gekühlt gelagert werden, und angestochene Dosen können weiter verwendet werden.“

Derzeit 50.000 Dosen für ganz Österreich

Was die Verfügbarkeit des Johnson-Impfstoffes betrifft, räumt Spielbichler ein: „Jetzt zu Beginn sind es nicht die Massen.“ So werden aktuell für ganz Österreich als Erstlieferung 50.000 Dosen bereitgestellt, im zweiten Quartal soll es aber 140.000 Dosen geben, so die Prognose. Die aktuelle Zahl der derzeit in Niederösterreich impfenden Ärzte liege bei 500. Aber das könne sich immer ändern. „Die Kontingente richten sich immer nach der Verfügbarkeit des Impfstoffes.“

In Klosterneuburg impfen rund die Hälfte der niedergelassenen Ärzte gegen Corona. „Es wären mehr“, so Allgemeinmediziner Peter Kaufmann, der sich mit seiner Gruppenpraxis seit Mitte Jänner der Impfkampagne widmet, „die Hälfte impft nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil man sie nicht zuteilt.“

Alles ändere sich kurzfristig. Was heute beschlossen scheint, könne sich morgen wieder ändern. „Ein Jahr lang hat man sich auf das Impfen vorbereiten können. Das haben die Verantwortlichen sträflich vergeigt“, ist Kaufmann so gar nicht zufrieden mit der jetzigen Situation. Theoretisch findet Kaufmann die Idee mit den Hotspots gut, aber was man bis jetzt in Österreich gesehen hat, zweifelt er an der reibungslosen Durchführung.

„Die Kontingente richten sich immer nach der Verfügbarkeit des Impfstoffes.“

In der Verteilung der Impfdosen sieht Kaufmann das Problem: „Hier scheint nichts substanziell durchdacht.“ Er hofft aber trotzdem, dass das System mit den Impfzentren nun klappt: „Möglichst schnell und möglichst viele – das ist unser Ziel.“ Rund 100 Impfungen pro Woche könne die Praxisgemeinschaft schaffen, so Kaufmann.

„Die Bekämpfung einer Pandemie ist definitiv kein Spaziergang, und wir werden nur durch Zusammenarbeit erfolgreich sein“, ist Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager überzeugt. Aber Impfungen in den Ordinationen würden langfristig viel wichtiger sein als vorübergehende Impfstraßen. Schmuckenschlager: „Corona wird ähnlich wie Grippe nicht verschwinden. Der niedergelassene Bereich kann hier nachhaltige Hilfe garantieren.“

Man dürfe in Klosterneuburg stolz auf unsere Ärzte und das dichte Versorgungsnetz sein. Und abschließend ein positiver Blick des Bürgermeisters in die nahe Zukunft: „Mit dem angekündigten Einsatz des neuen Impfstoffes von Johnson & Johnson wird die Durchimpfung doppelt so schnell ablaufen.“

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